86 Kilometer Grenze

Die ehemalige innerdeutsche Grenze im Herzogtum Lauenburg – Orte, Übergänge, Alltag und Spuren einer geteilten Region.

Die Grenze verstehen

Von 1945 bis 1990 lag der Kreis Herzogtum Lauenburg unmittelbar an der Grenze zu Mecklenburg. Nach Angaben des Kreises und des Landes Schleswig-Holstein verlief hier eine 86 Kilometer lange Demarkations- und spätere Staatsgrenze. Sie durchschnitt gewachsene Verbindungen zwischen Orten, Familien, Verkehrswegen und Wirtschaftsbeziehungen.

1945 war dies zunächst die Grenze zwischen britischer und sowjetischer Besatzungszone. Mit der Gründung von Bundesrepublik und DDR 1949 wurde daraus eine Staatsgrenze. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie auf DDR-Seite immer stärker gesichert und für die Menschen beiderseits der Grenze zu einem prägenden Teil des Alltags.

brd-ddr.de soll diese Geschichte nicht noch einmal als allgemeine DDR-Chronik erzählen. Die Seite bietet einen verständlichen Einstieg in genau diesen regionalen Grenzabschnitt und führt von dort zu Museen, Archiven, Dokumentationen und weiteren verlässlichen Quellen.

Schild an der innerdeutschen Grenze nahe Ratzeburg im Herbst 1979. Es fordert die Verwirklichung der Menschenrechte und die Beseitigung der Schreckensgrenze.
Nahe Ratzeburg, Herbst 1979. Ein Schild an der innerdeutschen Grenze fordert die Verwirklichung der Menschenrechte und die Beseitigung der „Schreckensgrenze“. Zehn Jahre später begann diese Grenze zu fallen.
Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Leitsatz

Die Errichtung dieser Grenze war ein Verbrechen an unserem Volk.

Dass sie fiel, war die historische Leistung mutiger Menschen.

Die Erinnerung daran ist unsere Pflicht.

Die Einheit zu bewahren ist unsere Aufgabe.

Stefan Müller-Gohr

86 Kilometer Grenze

86 Kilometer verlief die innerdeutsche Grenze durch den Kreis Herzogtum Lauenburg – vom Ratzeburger See bis zur Elbe.

Vereinfachte Übersicht; keine vermessene Grenzkarte. Geodaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende / ODbL.Zur großen Grenzkarte
Vereinfachte Übersicht vom Ratzeburger See über den Schaalsee und Gudow bis Büchen und Lauenburg/Elbe. Vier einfache Ringe zeigen die Querungsräume Mustin/B 208, Gudow–Zarrentin/A 24, Büchen–Schwanheide/Bahn Hamburg–Berlin und Lauenburg–Horst/B 5–F 5. Der gestrichelte Verlauf ist schematisch und keine präzise historische Staatsgrenze.

Was bedeuten die 86 Kilometer?

Die Zahl ist keine Werbeformel. Der Kreis Herzogtum Lauenburg und das Land Schleswig-Holstein nennen für den Grenzabschnitt zu Mecklenburg 86 Kilometer. Der genaue Verlauf war jedoch nicht von Anfang an unverändert: Im November 1945 regelte das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen einen Gebietsaustausch zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone. Dabei wechselten mehrere Orte und Güter die Seite. Für die Rekonstruktion des Grenzverlaufs muss deshalb zwischen der Situation unmittelbar nach Kriegsende und dem späteren Verlauf unterschieden werden.

Grenzverlauf entdecken

Die Grenze verstehen

Grenzverlauf

Wo verlief die Grenze tatsächlich? Seen, Straßen, Wälder, Bahnlinien und Grenzabschnitte werden Schritt für Schritt rekonstruiert.

Orte & Grenzabschnitte

Mechow, Mustin, Gudow, Büchen, Lauenburg und die angrenzenden Orte auf DDR-Seite zeigen, wie unterschiedlich das Leben an derselben Grenze aussehen konnte.

Grenzübergänge

Gudow/Zarrentin, Büchen/Schwanheide und Lauenburg/Horst waren wichtige Verbindungen durch eine ansonsten streng gesicherte Grenze. Nach dem 9. November 1989 kamen weitere Übergänge hinzu.

Alltag an der Grenze

Auf westlicher Seite war die Grenze sichtbar und oft unmittelbar Teil der Landschaft. Auf östlicher Seite kamen Sperrgebiet, Zugangsbeschränkungen und Grenzanlagen hinzu.

Fluchten & Zwischenfälle

Zur Geschichte gehören Fluchtversuche, Grenzzwischenfälle und Todesfälle. Diese Fälle werden nur dort dargestellt, wo die Quellenlage eine belastbare Rekonstruktion erlaubt.

Verkehr & Transit

Die Region war zugleich Grenze und Durchgangsraum. Die F5 über Lauenburg/Horst, später die A24 über Gudow/Zarrentin, sowie die Bahnstrecke Hamburg–Berlin über Büchen/Schwanheide machten sie zu einem wichtigen Transitkorridor.

1989/90

Mit der Grenzöffnung entstanden innerhalb weniger Wochen wieder Verbindungen, die jahrzehntelang unterbrochen gewesen waren. In der Region wurden bestehende Übergänge geöffnet und zusätzliche Straßenverbindungen geschaffen.

Spuren heute

Grenzanlagen wurden weitgehend abgebaut. Dennoch sind Wege, Gebäude, Museumsobjekte, Landschaftsstrukturen und Erinnerungsorte erhalten geblieben.

Seriös weiterlesen

brd-ddr.de versteht sich als Einstieg, nicht als Ersatz für die Einrichtungen, die diese Geschichte seit Jahren dokumentieren. Besonders wichtig sind:

  • Kreis Herzogtum Lauenburg / Kreisarchiv: Regionalgeschichte, Karten, Akten und Dokumentationen.
  • Grenzhus Schlagsdorf: Grenzgeschichte, Mechower See, Grenzanlagen, Zeitzeugen und Exkursionen.
  • Kreismuseum Herzogtum Lauenburg: regionale Ausstellungen und Quellen zur Nachkriegsgeschichte.
  • Stadt- und Kommunalarchive der Grenzorte.
  • NDR: historische Beiträge zu Transit, Lauenburg/Horst und regionalen Schauplätzen.
  • wissenschaftliche Literatur und zeitgenössische Presse, soweit für Einzelfragen nötig.
Museen, Archive & QuellenÜber das Projekt
Quellen