Die ehemalige innerdeutsche Grenze im Herzogtum Lauenburg – Orte, Übergänge, Alltag und Spuren einer geteilten Region.
Die Grenze verstehenVon 1945 bis 1990 lag der Kreis Herzogtum Lauenburg unmittelbar an der Grenze zu Mecklenburg. Nach Angaben des Kreises und des Landes Schleswig-Holstein verlief hier eine 86 Kilometer lange Demarkations- und spätere Staatsgrenze. Sie durchschnitt gewachsene Verbindungen zwischen Orten, Familien, Verkehrswegen und Wirtschaftsbeziehungen.
1945 war dies zunächst die Grenze zwischen britischer und sowjetischer Besatzungszone. Mit der Gründung von Bundesrepublik und DDR 1949 wurde daraus eine Staatsgrenze. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie auf DDR-Seite immer stärker gesichert und für die Menschen beiderseits der Grenze zu einem prägenden Teil des Alltags.
brd-ddr.de soll diese Geschichte nicht noch einmal als allgemeine DDR-Chronik erzählen. Die Seite bietet einen verständlichen Einstieg in genau diesen regionalen Grenzabschnitt und führt von dort zu Museen, Archiven, Dokumentationen und weiteren verlässlichen Quellen.

Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Leitsatz
Die Errichtung dieser Grenze war ein Verbrechen an unserem Volk.
Dass sie fiel, war die historische Leistung mutiger Menschen.
Die Erinnerung daran ist unsere Pflicht.
Die Einheit zu bewahren ist unsere Aufgabe.
86 Kilometer Grenze
86 Kilometer verlief die innerdeutsche Grenze durch den Kreis Herzogtum Lauenburg – vom Ratzeburger See bis zur Elbe.
Vereinfachte Übersicht; keine vermessene Grenzkarte. Geodaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende / ODbL.Zur großen Grenzkarte
Was bedeuten die 86 Kilometer?
Die Zahl ist keine Werbeformel. Der Kreis Herzogtum Lauenburg und das Land Schleswig-Holstein nennen für den Grenzabschnitt zu Mecklenburg 86 Kilometer. Der genaue Verlauf war jedoch nicht von Anfang an unverändert: Im November 1945 regelte das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen einen Gebietsaustausch zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone. Dabei wechselten mehrere Orte und Güter die Seite. Für die Rekonstruktion des Grenzverlaufs muss deshalb zwischen der Situation unmittelbar nach Kriegsende und dem späteren Verlauf unterschieden werden.
Grenzverlauf entdeckenDie Grenze verstehen
Grenzverlauf
Wo verlief die Grenze tatsächlich? Seen, Straßen, Wälder, Bahnlinien und Grenzabschnitte werden Schritt für Schritt rekonstruiert.
Orte & Grenzabschnitte
Mechow, Mustin, Gudow, Büchen, Lauenburg und die angrenzenden Orte auf DDR-Seite zeigen, wie unterschiedlich das Leben an derselben Grenze aussehen konnte.
Grenzübergänge
Gudow/Zarrentin, Büchen/Schwanheide und Lauenburg/Horst waren wichtige Verbindungen durch eine ansonsten streng gesicherte Grenze. Nach dem 9. November 1989 kamen weitere Übergänge hinzu.
Alltag an der Grenze
Auf westlicher Seite war die Grenze sichtbar und oft unmittelbar Teil der Landschaft. Auf östlicher Seite kamen Sperrgebiet, Zugangsbeschränkungen und Grenzanlagen hinzu.
Fluchten & Zwischenfälle
Zur Geschichte gehören Fluchtversuche, Grenzzwischenfälle und Todesfälle. Diese Fälle werden nur dort dargestellt, wo die Quellenlage eine belastbare Rekonstruktion erlaubt.
Verkehr & Transit
Die Region war zugleich Grenze und Durchgangsraum. Die F5 über Lauenburg/Horst, später die A24 über Gudow/Zarrentin, sowie die Bahnstrecke Hamburg–Berlin über Büchen/Schwanheide machten sie zu einem wichtigen Transitkorridor.
1989/90
Mit der Grenzöffnung entstanden innerhalb weniger Wochen wieder Verbindungen, die jahrzehntelang unterbrochen gewesen waren. In der Region wurden bestehende Übergänge geöffnet und zusätzliche Straßenverbindungen geschaffen.
Spuren heute
Grenzanlagen wurden weitgehend abgebaut. Dennoch sind Wege, Gebäude, Museumsobjekte, Landschaftsstrukturen und Erinnerungsorte erhalten geblieben.
Seriös weiterlesen
brd-ddr.de versteht sich als Einstieg, nicht als Ersatz für die Einrichtungen, die diese Geschichte seit Jahren dokumentieren. Besonders wichtig sind:
- Kreis Herzogtum Lauenburg / Kreisarchiv: Regionalgeschichte, Karten, Akten und Dokumentationen.
- Grenzhus Schlagsdorf: Grenzgeschichte, Mechower See, Grenzanlagen, Zeitzeugen und Exkursionen.
- Kreismuseum Herzogtum Lauenburg: regionale Ausstellungen und Quellen zur Nachkriegsgeschichte.
- Stadt- und Kommunalarchive der Grenzorte.
- NDR: historische Beiträge zu Transit, Lauenburg/Horst und regionalen Schauplätzen.
- wissenschaftliche Literatur und zeitgenössische Presse, soweit für Einzelfragen nötig.
Quellen
- Kreis Herzogtum Lauenburg: „Geschichte des Kreises“
- Schleswig-Holstein, Landesportal: „Kreis Herzogtum Lauenburg“
- Kreis Herzogtum Lauenburg: „70 Jahre Barber-Lyaschenko-Abkommen“
- Grenzhus Schlagsdorf: „Wanderung mit Zeitzeugen um den Mechower See“
- NDR: „Das Transitabkommen: Durch die DDR nach West-Berlin“
- NDR: „Lauenburg, der letzte Halt vor der Grenze“